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Vereinsleben in Zeiten von Corona

Die Vertreter der drei großen Vereine TuS Griesheim, SV St. Stephan und SC Viktoria tauschten sich mit der Stadt Griesheim über die Herausforderungen der Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Vereinsleben aus.

Die Corona-Pandemie bringt neben den gesundheitlichen Gefährdungen eine Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz vieler Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen mit sich und ist aktuell eines der brennendsten Themen für Wirtschaft und Gesellschaft. Mit den Auswirkungen der Pandemie haben auch Verbände und Vereine, die Sportwelt und das Kulturleben zu kämpfen. Griesheim ist Heimat für rund 70 Vereine und Interessengruppen, die ein breitgefächertes Angebot und Engagement für die Gemeinschaft bieten und seit Beginn der Pandemie vor großen Herausforderungen stehen.
„Zahlreiche Wettkämpfe, Turniere und kulturelle Veranstaltungen wurden abgesagt, Spielrunden in den folgenden Wochen als beendet erklärt. Geplante Jubiläumsfeierlichkeiten, Begegnungen mit Sportlern befreundeter Vereine und Partnerstädte mussten storniert werden“, so Dr. Claus Walther, Präsident des TuS Griesheim.

Vereine schaffen Möglichkeiten und Räume, gemeinsame Interessen zu pflegen und zusammen mit anderen einem guten Zweck zum Erfolg zu verhelfen. Im Verein zählt das Engagement für die gemeinsame Sache, deshalb stärkt die Vereinsarbeit den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Aufgrund der aktuellen Lage haben sich die Griesheimer Vereine dazu entschlossen, dass es in diesem durch die Pandemie geprägten Jahr nicht möglich sein wird, die Jugend-Sportlerehrung und den Ehrungsabend in angemessener Form durchzuführen. Doch nicht alles wurde stillgelegt und abgesagt, vielmehr zeigte sich ein hohes Maß an Kreativität und Flexibilität bei den Vereinsverantwortlichen und Übungsleitungen. Aus der Fußballabteilung des SV St. Stephan hört man zuversichtliche Stimmen: „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.“

Dem Vorsitzenden des Vereins SV St. Stephan 1953 e.V. Michael Hutterer, Präsident des TuS Griesheim Dr. Claus Walter sowie Karl-Heinz Schecker, Vorsitzender des Sportclubs Viktoria 06, ist es ein Anliegen, gemeinsam an das Vereinsleben in Griesheim zu erinnern und auf die Herausforderungen der vergangenen Monate hinzuweisen. Gemeinsam mit der Stadt Griesheim steht man kontinuierlich im engen Austausch über Hygienekonzepte, den Vereinsbetrieb in den städtischen Hallen oder plante gemeinsame Aktionen wie eine Müll-Sammelaktion der TuS-Handballer.

„Den Einsatz und das Engagement der Sportlerinnen und Sportler sowie die unermüdliche Kreativität und Einsatzbereitschaft der vielen Engagierten wollen wir auch während der Corona-Pandemie hervorheben. Auch als Bürgermeister möchte ich im Namen der Stadt dafür Danke sagen. Wir als Stadt Griesheim appellieren an alle Vereinsmitglieder, sich mit ihren Vereinen solidarisch und treu zu zeigen. Das ist für die Vereine und das Vereinsleben während einer solchen herausfordernden Zeit von existenzieller Bedeutung“, hält Bürgermeister Krebs-Wetzl fest.

Dr. Claus Walther, Präsident des TuS ergänzt: „Rund 220 Gruppen und Mannschaften werden durch Angebote des TuS Griesheim bewegt, viele davon wöchentlich, nur wenige saisonal. Die Herausforderungen für die Zukunft sind groß aber nicht unüberwindbar. Wir, das heißt die Vereinsgemeinschaft und die handelnden, freiwillig tätigen und gewählten Personen haben es in der Hand.“


Loyalität, Treue, Kreativität – dies alles zeichnet engagierte Mitglieder und Übungsleiter*innen der Vereine aus. Die Vorstände betonen, wie sehr man diese Eigenschaften zu schätzen wisse. Zusammenstehen und zusammen durch die Krise gehen, seien das Gebot der Stunde.

Auch finanziell seien einige dem Verein sehr entgegengekommen. Michael Hutterer, Vorsitzender des SV St. Stephan berichtet: „Selbstverständlich führte die Corona Krise zu finanziellen Einbußen. Hier haben insbesondere einige Übungsleitungen toll darauf reagiert: Sie haben trotz vertraglichem Anspruch auf ihre Vergütung verzichtet. Insgesamt stehen die Mitglieder zum Verein. Trotz Einstellung des Sportprogramms waren keine vermehrten Austritte zu verzeichnen.“ Der SVS appelliert am guten Zusammenhalt festzuhalten: „Insbesondere, wenn es jetzt zu erneuten Einschränkungen bis hin zur Einstellung des Sports kommen sollte, stehen die Vereine vor einer großen Herausforderung. Jetzt kommt es auf alle Mitglieder an. Steht zu eurem Verein, wenn ihr wollt, dass wir die Krise überstehen und auch danach eine Plattform für die unterschiedlichsten Aktivitäten bereitstellen sollen.“ Starke Worte des Zusammenhalts klingen auch aus der Fußballabteilung des SVS: „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen, die wir in der Fußballabteilung gemeinsam (Abteilungsleitung, Platzwart, Trainer, Spieler und Elternschaft) gut meistern. Unser gemeinsames Ziel ist es, den Sportbetrieb für unsere Mitglieder, insbesondere für die Kinder,  aufrecht zu erhalten. Und hierfür gehen wir alle die Extra-Meile.“

„Ohne die Loyalität zum Verein hätten wir viel mehr Mitglieder verloren, ohne die Kreativität vieler Übungsleiter und Abteilungsvorstände wäre das sportliche Leben im TuS tatsächlich vollkommen zum Erliegen gekommen. Online oder an der frischen Luft im Stadion, die Not machte erfinderisch. Mancher hätte uns ohne diese Angebote spätestens dann den Rücken gekehrt.“, so Dr. Claus Walther für den TuS, „im Namen des Präsidiums und der Geschäftsführung den Vorständen der Abteilungen, darf ich allen Mitgliedern und den vielen Gönnern unseres Vereins ganz herzlich Danke sagen.“ Eine große Unterstützung sei in dieser schwierigen Situation Vereinsmanagerin Kathrin Witteborg gewesen, die ein herausragendes Management geleistet habe. Auch ihr dankt Dr. Claus Walther im Namen des gesamten Vereins.

Wer den Anschluss zu seinen Mitgliedern nicht verpassen wollte, war mehr denn je gefragt, flexibel auf die neuen pandemiebedingten Lebensbedingungen zu reagieren.

So wurden Sportangebote zur Verminderung des Übertragungsrisikos ins Freie verlegt, oder Anleitungen für die Übungen per Fahrradkurier nach Hause an die Gruppenmitglieder gesendet. Die Handballabteilung des TuS startete eine Müll-Sammelaktion und eine Sponsoring Idee in Form sog. „Supporter“-T-Shirts, um so die Mitglieder der Teams in Bewegung zu bringen und den Teamgedanken zu stärken. Die Schwimmabteilung initiierte einen Malwettbewerb, um den Kindern der Schwimmgruppen eine Beschäftigung anzubieten.

Auch vom breiten Angebot digitaler Medien machten die drei Vereine TuS, SVS und SCV Gebrauch. So berichtet Dr. Claus Walther für den TuS, dass individuelle Trainingspläne erstellt und online zum Download bereitgestellt wurden. An den Angeboten Yoga, Zumba und Tanztraining konnten die Mitglieder per Video Chat teilnehmen. Auch recherchierten die Trainer*innen, welche Web-Adressen sich für Übungen zuhause vor dem Bildschirm eignen und teilten dies den Mitgliedern per E-Mail mit.“ Dazu erläutert der SC Viktoria, dass die Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Sportbetriebs über Telefonkonferenzen stattfanden.

Online-Meetings bot auch die Fußballabteilung des SV St. Stephan an, um mit den Spieler*innen und Eltern in Kontakt zu bleiben. Gespannt habe man gemeinsam die Nachrichten verfolgt und auf die Wiederaufnahme des Sportbetriebs hingefiebert. Damit Fußballinteressierte trotz Zuschauer- und Anfeuerungsverbot an den Spielen teilhaben können, hat der SVS einen Live-Stream über eine Streaming-Plattform eingerichtet. Während des 1. Spieltags der Damen sei der Live-Stream durch 75 Zuschauer*innen fleißig genutzt worden.

„Hygienekonzept“ ist wohl eines der meist verwendeten Begriffe im Zusammenhang mit der Durchführung von Veranstaltungen und Betrieben in Zeiten von Corona. Viele Fragen tauchten hierbei zu Beginn auf. Seitens der Stadt Griesheim wurde ein Merkblatt erstellt, jedoch war jede Vereinsgruppe aufgefordert, angepasst an den jeweiligen Sport und die Belegung der Gruppen, eigene individuelle Konzepte zu erstellen, für ausreichend Desinfektionsmöglichkeiten zu sorgen und Vorkehrungen zu treffen. Über die Landesverordnungen hinaus galt es, die Empfehlungen des jeweiligen Sportfachverbands einzuhalten. Die Trainer und Übungsleitungen des TuS wurden beispielsweise hierzu aufgefordert, entsprechende Selbstverpflichtungserklärungen abzugeben.
Lob an die Stadt Griesheim hinsichtlich des Hygienekonzepts für das Hallenbad findet trotz aller Herausforderungen die Schwimmabteilung des SVS: „Das Hygienekonzept fürs Hallenbad war nicht unmöglich einzuhalten, sondern relativ pragmatisch.“ Gleichzeitig kämpft die Schwimmabteilung mit starken Einnahmeverlusten in der Zeit, in der keine Schwimmkurse stattfinden können. Inzwischen stünden, aufgrund der Ausfälle und der begrenzten Teilnehmerzahl, rund 100 Kinder auf einer Warteliste für einen Platz im Schwimmkurs.

Der SC Viktoria berichtet, ab Mitte Mai einer der ersten Vereine gewesen zu sein, der Kindern wieder Möglichkeit gab, ihrem Hobby dem Fußballspielen nachzugehen. Dies jedoch ohne Zweikampf, in Kleingruppen und ohne Regel-Fußballspiel, selbst die Zuschauer mussten außerhalb des Geländes verweilen. Im Ein- und Ausgangsbereich wurde ein Einbahnstraßensystem zur  Steuerung der Besucher*innen der Anlage mit entsprechenden Drängelgittern eingerichtet.

Hinzukommt die Auseinandersetzung mit dem Datenschutz bei der Erfassung von Kontaktlisten. Hierbei sei man bei der Fußballabteilung des SVS auf die moderne Variante durch die Nutzung von QR-Codes umgestiegen.


Alle Vereine betonen, nicht erst seit der Corona-Pandemie sich für die Integration und den Zusammenhalt der Gesellschaft einzusetzen. Nach dem Motto „Sport spricht alle Sprachen“ (Dr. Claus Walther, TuS) bieten die Vereinsangebote Räume und Gelegenheit zum Kennenlernen, Austausch und zum Erleben gemeinsamer Erfolgs- und Gemeinschaftserfahrungen.

Der SC Viktoria sieht einen wesentlichen Schwerpunkt in diesem Bereich und fasst sein Selbstverständnis zusammen: „Weltoffen, nationalitäten-übergreifend, sozial verantwortungsbewusst. Der SC Viktoria steht für die Integration von Kindern in für sie neue Gemeinschaften.“ Inzwischen verzeichne man rund ein Viertel der Mitglieder mit Migrationshintergrund.

„Gemeinschaftlich mit anderen sportliche Herausforderungen zu bestehen, ist für Erwachsene und Kinder eine wichtige Erfahrung, zusammen etwas erreichen zu können - dadurch entsteht gesellschaftlicher Zusammenhalt für Alle“, so Karl-Heinz Schecker für den SC Viktoria.

Der TuS macht sich indessen auf den Weg „IDS-Verein“ (IntegrationDurchSport) zu werden. Dr. Claus Walther erläutert: „IDS-Vereine zeichnen sich durch kontinuierliche, langfristige, bedarfsorientierte Arbeit, die über das Regelangebot des Vereins hinausgeht, aus. Dabei kann der Verein auf Beratung, Begleitung sowie materielle und finanzielle Förderung durch die Sportjugend Hessen zählen.“


Auch der SC Viktoria betont: „Den Sport-Betrieb aufrecht zu erhalten, bedeutet dauernde Investitionen in Reparaturen, Erhaltung von Sportanlagen, Sportbekleidungen, etc.“ Karl-Heinz Schecker, 1. Vorsitzender SC Viktoria, spricht einen großen Dank an alle diejenigen aus, die unterstützen und hierbei an der Seite des SC Viktoria stehen.

Die Zukunft der Vereine sieht Dr. Claus Walter, TuS indessen, über gute Kooperationen gelingen. „Die Nutzung von Synergien in den Verwaltungen von Vereinen und gleichzeitiger Förderung durch die Stadtverwaltung könnte ein erster Schritt in die Richtung einer effizienteren und kostensparenden Vereinsverwaltung sein. Auch im Bereich der Sportentwicklung könnte das Prinzip der „Sharing Economy“, letztlich das gemeinsame Nutzen von Ressourcen zu einer Win-win-Situation führen, indem Angebote erweitert und Kosten klein gehalten werden“, so Dr. Claus Walther. Der TuS wolle sich daher für eine gute Vernetzung der Vereine, der Stadtverwaltung und auch weiteren Institutionen wie der Schule einsetzen.

Ein gelingendes Beispiel für eine gute Vereinskooperation bringt die Badminton-Abteilung des SVS ein, die mit Messel eine Spielgemeinschaft gründeten. „Die Spielgemeinschaft mit der TSG Messel funktioniert gut, sowohl bei den Aktiven, als auch bei der Jugend“, lautet es aus der Abteilung.

Auch beschäftige man sich mit den Bedarfen nach weiteren Sportflächen und –stätten. Dr. Claus Walther kommt zur Einschätzung, dass die Stadt Griesheim weitere Sportflächen benötigt: „Die nach der Renovierung wieder eröffnete Kirschberghalle sowie unsere vereinseigene Trainingshalle werden die Situation verbessern, aber nicht auffangen. Die Bedarfe steigen durch die Nachverdichtung der Kernstadt, das Neubaugebiet Südwest und die Konversionsfläche im Osten.“