Klimaquartier Innenstadt-Nord

Die Stadt Griesheim hat sich mit dem Quartier „Innenstadt-Nord“ erfolgreich auf das Projekt Klimaquartiere beworben. Dadurch erhält die Stadt im Rahmen des Projekts über 3 Jahre Unterstützung bei der Akquise von geeigneten Fördermitteln und der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Klimaanpassung und Klimaschutz. Dazu zählen beispielsweise die Schaffung von zusätzlichem Stadtgrün oder auch die Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau Erneuerbarer Energien.

Aktuelles

Beim Innenstadt-Aktionstag ‘Mit(te) gemacht’ am Samstag, 9. August, ist das Team des Klimaquartiers mit einem Stand vertreten. Das Team informiert zum Projekt, den zukünftigen Beteiligungsmöglichkeiten und freut sich darauf in Austausch mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu kommen.

Alle Infos zur Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projekts finden Sie auf der Griesheimer Beteiligungsplattform griesheim-gestalten.de

Das Projekt Klimaquartiere
Das vom Hessischen Umweltministerium in Zusammenarbeit mit der LEA LandesEnergieAgentur Hessen ins Leben gerufene Projekt, zielt darauf ab, die Energie- und Umweltbilanz in hessischen Quartieren zu verbessern und die Lebensqualität vor Ort zu sichern. Das ausgewählte Griesheimer Quartier „Innenstadt-Nord“ ist eins von 15 ausgewählten Stadtgebieten bzw. Ortsteile in Hessen, die im Rahmen des Projekts "Klimaquartiere" in den kommenden drei Jahren auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und einer besseren Anpassung an die Klimawandelfolgen begleitet wird. 

Klimaquartier „Innenstadt-Nord“
Die Grenzen des Quartiers „Innenstadt-Nord“ bildet im Norden die Sandgasse, im Osten die Friedrich-Ebert-Straße, südlich ist das Gebiet durch die Wilhelm-Leuschner-Straße abgegrenzt und westlich durch die Schöneweibergasse (siehe Abb. 1). Ausgewählt wurde dieses Areal aufgrund des hohen Handlungsdrucks im Klimaschutz- und Klimaanpassungsbereich. Ursächlich dafür ist der vergleichsweise hohe Versiegelungsgrad, fehlendes Stadtgrün und die dichte Bebauungssituation in großen Teilen des Quartiers. Dadurch ist dieses an heißen Tagen stark von Überwärmung betroffen und kühlt erst in den späten Abendstunden wieder ab. Ein weiterer Faktor für die Auswahl des Quartier war zudem die Innenstadtlage und dadurch hohe Relevanz für ganz Griesheim.
Das allgemeine Ziel des Projekts ist es, in dem Quartier unter Einbezug der Bürgerschaft so viele Maßnahmen im Klimaschutz- und Klimaanpassungsbereich wie möglich umzusetzen. Zudem sollen in dem Quartier Lösungen in diesen Bereichen identifiziert werden, die perspektivisch auf das gesamte Stadtgebiet übertragen werden können. 

Ablauf des Projekts
Das Projekt startete im September 2024 mit einem Erst-Check des Quartiers. In der ersten Projektphase wurde ein Maßnahmenfahrplan für das Quartier erarbeitet, der durch die Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr 2025 beschlossen wurde und in den verbleibenden 2 bis 2,5 Jahren Projektlaufzeit umgesetzt werden soll. 

Ziel ist es, die Belange des Klimaschutzes und der Klimaanpassung durch eine Verankerung in Satzungen und planungsrechtlichen Instrumenten besser voranbringen zu können und ihre Umsetzung dadurch zu stärken. 

Im Rahmen des Projekts Klimaquartiere wird daher zum einen eine Klima- und Freiraumgestaltungssatzung erarbeitet, um Aspekte z. B. zur Begrünung, Ent- bzw. Versiegelung und Gestaltung von Flächen und baulichen Anlagen im Sinne der Klimaanpassung sicherzustellen. Dabei sollen die Einschränkungen der geltenden Erhaltungssatzung aufgelöst bzw. ein Einklang mit der Klima- und Freiraumgestaltungssatzung gefunden werden. Zum anderen werden vorhandene und sich in Planung befindende B-Pläne hinsichtlich ihrer Aspekte zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung geprüft und Hinweise zur Optimierung gegeben.
 

Das Georg-August-Zinn-Haus (GAZH) aus dem Jahr 1979 hat bisher keine umfassende energetische Modernisierung erfahren. Ziel ist es, das Gebäude zukunftsfähig und energieefizient aufzurüsten und dabei auch als Vorbild für die Quartiersentwicklung zu agieren. 

Im Rahmen des Projekts Klimaquartiere wird daher eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung verschiedene Möglichkeiten einer klimafreundlichen Wärmeversorgung aufzeigen und vergleichen. Ziel ist es, die Heizungsanlage, die ihre technische Lebensdauer erreicht hat, möglichst vor der nächsten Heizperiode gegen eine klimafreundliche Wärmeversorgung auszutauschen.

Ziel ist es, die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu stärken und hierfür die Möglichkeiten der dezentralen, lokalen Erzeugung zu nutzen.

Im Rahmen des Projekts Klimaquartiere wird daher ein Pilotprojekt „Solares Mieterstrommodell“ entstehen, das Mieterinnen und Mietern die Möglichkeit bietet, den Strom, der von den Photovoltaikanlagen auf dem Dach eines Wohngebäudes produziert wird, direkt von den Vermieterinnen bzw. Vermietern zu beziehen. Somit können Mieterinnen und Mieter direkt von dem günstigen Solarstrom profitieren. Für das Georg-August-Zinn-Haus soll neben der geplanten PV-Dachanlage analysiert werden, ob auch ein PV-Speichersystem vor dem Hintergrund der energetischen Sanierung (siehe Handlungsfeld EF) eine Möglichkeit darstellt, um den Verbrauch aus eigens erzeugtem Strom zu maximieren, Netzkosten zu reduzieren und langfristig die Energiekosten zu senken.

 

Ziel ist es, die Hitzebelastung im Quartier zu mindern, der Bildung von Hitzeinseln entgegenzuwirken sowie die Aufenthalts- und Erholungsqualität im Quartier selbst zu verbessern. Dafür sollen grüne Aufenthaltsräume geschaffen und vorhandene Grün- und Freiflächen aufgewertet werden. Niederschlagswasser soll zwischengespeichert, verdunstet oder versickert werden und somit nicht nur zu einer Abkühlung der Umgebungsluft während Hitzeperioden beitragen, sondern auch Abflussspitzen reduzieren.

Im Rahmen des Projekts Klimaquartiere sollen daher Anwohnerinnen und Anwohner motiviert und finanziell unterstützt werden, mit dem „Griesheimer Grünbonus“ ihre privaten Gärten, Höfe und Gebäude zu begrünen, naturnah zu gestalten und zu entsiegeln und damit einen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten. Gefördert wird dies durch das Land Hessen. Auch das Georg-August-Zinn-Haus soll begrünt und die Stadt damit als Vorbild und Inspiration für die Bevölkerung vorangehen. Potenzielle Begrünungsmöglichkeiten stehen in Abhängigkeit zu den Planungsprozessen der energetischen Sanierung des GAZH (siehe Handlungsfeld EF).

Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und Reduktion der Hitzebelastung im öffentlichen Raum werden im Rahmen eines Reallabors Maßnahmen temporär erprobt. Wünsche und Ideen an den öffentlichen Raum werden hierfür unter Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld gesammelt und gemeinsam erörtert. Ziel ist es die erprobten Maßnahmen fortzuentwickeln und längerfristig umzusetzen. 

Außerdem ist geplant gemäß dem Motto „Grau zu Grün - Versiegelte Flächen zu Lebensqualitätsflächen entwickeln“ zu prüfen, inwiefern versiegelte Flächen wie Parkplätze im Straßenraum, der Parkplatz am Georg-Schüler-Platz und der Zöllerplatz teilentsiegelt und anschließend, auch durch Straßenbäume, begrünt werden können. Die Aufwertung, Neuordnung, Umgestaltung und Begrünung der Plätze und Flächen tragen damit nicht zur zu einer Minderung der Hitzebelastung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität, sondern auch zur Steigerung der ökologischen Qualität, der Vielfalt und des Wohnwerts bei.
 

Ziel ist es, den Abfluss von Niederschlagswasser zu reduzieren und das Wasser stattdessen zu versickern, zu speichern und wiederzuverwenden, z. B. für die Bewässerung in Trockenphasen, um die Trinkwasserressourcen zu schonen. 

Im Rahmen des Projekts Klimaquartiere wird daher die sogenannte Niederschlagswasserbewirtschaftung auf dem eigenen Grundstück mit dem „Griesheimer Grünbonus“ fachlich und finanziell gefördert. Neben der Entsiegelung sowie naturnahen Gestaltung und Begrünung von Flächen, Gärten und Gebäuden (siehe Handlungsfeld B), werden Anwohnerinnen und Anwohner bei dem (Ein-)Bau von Zisternen unterstützt und können damit selbst einen Beitrag zur Reduktion von Abflussspitzen, der Wiederverwendung des Niederschlagswassers und zur Reduktion des Trinkwasserverbrauchs insbesondere in Trockenphasen leisten.
 

Ziel ist es, sichere und attraktive Nahmobilitäts-Bedingungen für alle Bürgerinnen und Bürger im Quartier, für Jung und Alt, zu schaffen. Seitens der Stadt sowie der Anwohnerinnen und Anwohner gibt es bereits viele Ideen zur Verbesserung der aktuellen Situation. Dazu zählen z. B. den Durchgangsverkehr und die damit verbundene verkehrliche Belastung im Quartier zu reduzieren und verkehrsberuhigte Zonen (z. B. „Spielstraße auf Zeit“) und Einbahnstraßenregelungen zu schaffen sowie Griesheim langfristig als Fahrradstadt zu entwickeln. Der Konkurrenz um Flächen im öffentlichen Straßenraum für Stellplätze oder zugunsten der Nahmobilität und der Begrünung und Entsiegelung (siehe Handlungsfeld B), könne z. B. durch eine Parkraumbewirtschaftung und eine gezielte Motivation der Anwohnerinnen und Anwohner zur Nutzung privater Stellplätze und Garagen begegnet werden.

Im Rahmen des Projekts Klimaquartiere sollen daher die diversen Vorschläge zur Stärkung der Nahmobilität evaluiert und unter anderem im Zusammenhang mit dem Reallabor (siehe Handlungsfeld B) testweise umgesetzt und erprobt werden. Anschließend erfolgen eine Evaluation und eine Identifikation von Maßnahmen, welche verstetigt werden sollen.
 

Wesentlicher Bestandteil des Projekts Klimaquartiere ist die Beteiligung der Bevölkerung und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zu den geplanten Maßnahmen. 

Ziel ist es zum einen, Anwohnerinnen und Anwohner, Bürgerinnen und Bürger zu umsetzungsrelevanten Themen und damit verbundenen Maßnahmen, wie naturnahe Gestaltung von Flächen und Gärten, private Starkregenvorsorge oder energetische Sanierung, zu informieren und zu sensibilisieren. Zum anderen sind verschiedene Beteiligungsformate vorgesehen, die die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch im Sinne von „Eigentümerinnen / Eigentümer für Eigentümerinnen / Eigentümer“ bzw. „Nachbarinnen / Nachbarn für Nachbarinnen / Nachbarn“ und ein lebendiges Erfahren im Fokus haben. Durch Information und Beteiligung wird die Bevölkerung dabei unterstützt, vom Wissen zum Handeln zu kommen und somit langfristig ihr Verhalten klimabewusster zu steuern.
 


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